Mittwoch, 7. August 2013

"Have a nice day, Baby!"

Seit Montag bin ich jetzt hier und eigentlich ist seitdem viel zu viel passiert, um es in einen einzigen Post zu packen. Mein Kulturschock ist eingetreten. Aber er ist nicht so groß wie erwartet. Ich fange einfach mal von vorne an.
Montag Morgen bin ich um Viertel vor 2 aufgestanden, um den Flug nach Amsterdam auch ja rechtzeitig zu kriegen. So übertrieben war das eigentlich gar nicht, wir haben uns wegen der vielen Baustellen rund um den Flughafen nämlich ziemlich verfahren. Nur Mama hat mich gebracht. Irgendwie ist das verständlich, immerhin hätte ich auch keine Lust auf meinen Schlaf zu verzichten, nur um einmal nach Hannover zu gondeln, Flugzeuge zu gucken und dann wieder zurückzufahren. Schlaf ist heilig. Außerdem wäre ich wahrscheinlich vollends in Tränen ausgebrochen, wenn noch mehr Personen da gewesen wären. Nicht dass Mama nicht ausgereicht hätte. Ich bin ganz und gar ein Mama-Kind, darum hat mir ihr weinender Anblick auch irgendwie das Herz gebrochen. Wir haben uns schnell verabschiedet und dann nur noch über Whatsapp kommuniziert. Ich hätte ungern Rotz und Wasser heulend im Flug nach Amsterdam gesessen, darum war diese Variante gar nicht so schlecht. Der Flug hätte gut und gerne 10 Stunden dauern können, ich bin nämlich direkt eingeschlafen. Statt wohlverdienten 10 Stunden waren es leider nur 50 Minuten, die ich trotz meines dicken Sitznachbarns sehr genossen hab. In Amsterdam hab ich mich auf der Suche nach einer Anzeigetafel völlig verlaufen. Ich bin in Panik geraten und musste mich auf dem Klo einschließen, um wieder runterzukommen. Und dann hab ich - ganz Frau - das getan, was immer und in jeder Situation hilft: Geld in sämtlichen verfügbaren Läden zu lassen. Ich bin jetzt um ein Parfüm, eine niederländische pfandfreie Plastikflasche, einen Adapter und einen Schlüsselanhänger reicher. Wow. Der vermutlich metrosexuelle Verkäufer hatte glücklicherweise auch gleich mal eine Idee parat, wo mein Gate sein könnte. Also bin ich nach einer Stunde rumirren endlich an Gate E19 gelandet, wo ich laaaaange Zeit zum Warten hatte, die ich sehr effektiv zum Nichtstun genutzt hab. Bevor ich die Maschine nach Atlanta besteigen konnte, musste ich diverse Sicherheitschecks und Passkontrollen über mich ergehen lassen. Den Scan hab ich gefailt, ich hab gezappelt und die Interviewfragen hab ich zu 70% nicht verstanden. Aber nicken und naiv gucken haben mir ins Flugzeug verholfen.
Der Riesenflieger war Luxus pur. Verstellbare Rückenlehnen und Kopfstützen, Kissen, Decken und eingebaute Fernsehbildschirme in den Lehnen samt kostenlose Headsets im stylishen Delta-Airline-Design (- nicht). Ich hab nie in meinem Leben so gut in einem Flugzeug gegessen. Wirklich nicht. Es gab Pasta, Salat, Brot, Cracker, Kekse, Eis, Sandwiches, Paninis, Käse und Schokolade. Ich verstehe nicht, wieso Leute sich sowas entgehen lassen und stattdessen lieber Sex auf der engen Flugzeugtoilette haben wollen. Dieses Essen ist besser, jede Wette! Ich hab mir die Zeit auf dem Flug jedenfalls ganz gut vertrödelt und Filme geguckt und versucht zu schlafen. Gerade auf diesem Flug habe ich viel darüber nachgedacht, was ich hier überhaupt mache. Immerhin war ich dabei, Deutschland für 10 Monate zu verlassen. So ganz hat es sich aber trotzdem nicht danach angefühlt, irgendwie kommt das auch jetzt noch nicht ganz bei mir an. Mein Kopf wehrt sich hartnäckig dagegen, das zu glauben. Ich steh halt auf Deutschland, was soll ich machen?
In Atlanta angekommen, musste ich erstmal zur U.S. costumers and border control. Viel Anstehen, viel Stress. Die Sicherheitsvorkehrungen sind Wahnsinn. Nicht nur Fingerscan, nein, es muss ein Handscan sein. Und wenn wir schon dabei sind, dann auch gleich ein Augenscan. Jetzt darf ich nie mehr in eine Bank einbrechen. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hat mir eine meiner Möglichkeiten gestohlen, ehe es mir welche gegeben hat :( Ich hab zwischendurch eine Runde geheult, weil ich Angst hatte, vor lauter Warterei meinen Anschlussflug zu verpassen. Schlussendlich habe ich den Flug gepackt, mein Koffer allerdings nicht. Der trudelte fünf Stunden nach mir in Columbus ein, völlig gefilzt von der Border control. 
So, das wars erstmal zu meinem Flug. Nicht wirklich interessant, wie ich im Nachhinein feststelle. Aber ich bin zu stolz auf mich, dass ich trotz Jetleg so spät so viel geschrieben habe. Darum veröffentliche ich jetzt doch. Morgen werde ich mich dann wahrscheinlich ein bisschen über meine Gastfamilie, meine Schule und meinen Kulturschock auslassen. 
Have a nice day♥

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